Schulungsbedarf im Unternehmen ermitteln: Schritt-für-Schritt-Anleitung mit Vorlage

Autor

Silvia Häni

Datum

26. February 2026

Welche Schulungen braucht Ihr Unternehmen wirklich – und wer braucht sie? Dieser Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie den Lernbedarf im Unternehmen systematisch analysieren, priorisieren und konkrete Massnahmen daraus ableiten. So entsteht ein Schulungsplan, der Ihre Unternehmensziele unterstützt und genau die Kompetenzen stärkt, die im Arbeitsalltag zählen. Inklusive Gratis-Vorlage für die Kompetenzmatrix.

Schulungsbedarf im Unternehmen ermitteln - das Wichtigste in 30 Sekunden

Lernbedarf im Unternehmen ermitteln in 7 Schritten:

  1. Ziele klären: Business-Ziele in konkrete Kompetenzziele übersetzen.
  2. Soll-Profil erstellen: Relevante Fähigkeiten pro Rolle mit klaren Niveaus beschreiben.
  3. Ist-Stand erheben: Kompetenzniveau über Stichproben, Feedback und Leistungsdaten erfassen.
  4. Kompetenzlücken priorisieren: Nach Wertbeitrag, Häufigkeit und Risiko bewerten.
  5. Massnahmen ableiten: Schulungsumfang, Zielgruppen und Formate festlegen.
  6. Rollout: Schulungen in Wellen einführen.
  7. Erfolg messen: Wirkung auf Kompetenz, Verhalten und Geschäftsergebnisse prüfen.

Warum ist die Analyse des Schulungsbedarfs so wichtig?

Schulungen kosten Geld. Dieses will sinnvoll investiert sein und dort wirken, wo es den grössten Unterschied macht. Das gelingt nur, wenn Sie den tatsächlichen Schulungsbedarf kennen. Erst dann können Sie gezielt priorisieren und das Verhältnis von Aufwand zu Nutzen spürbar verbessern. Konkret heisst das weniger Kosten, Zeit und Abwesenheiten während Leistung, Qualität und Produktivität steigen.

Die Bedarfsanalyse ist zudem Basis für ein Schulungsprogramm, das Ihr Unternehmen handlungsfähig hält: Wenn Mitarbeitende genau die Kompetenzen aufbauen, die heute und morgen gefragt sind, reagiert Ihr Unternehmen schneller auf Veränderungen. Und nicht zuletzt zahlt ein passendes Weiterbildungsangebot auf die Mitarbeiterzufriedenheit ein und macht Sie als Arbeitgeber attraktiv. 

Bevor Sie starten: Scope festlegen

Damit Sie Zeit und Ressourcen sinnvoll einsetzen, lohnt es sich, als Grundlage für die nächsten Schritte den Rahmen zu klären: 

  • Welche Bereiche und Rollen wollen Sie in die Analyse mit einbeziehen und welche bewusst nicht? 
  • Geht es um einen Standort oder mehrere?
  • Welchen Zeitraum betrachten Sie?
  • Welche Stakeholder binden Sie in die Analyse ein? Neben HR sollten das sicher auch die Fachverantwortlichen und Führungskräfte sein, weil sie Anforderungen, Standards und typische Fehlerbilder am besten kennen. 
     

Schritt 1: Ziele der Schulungsmassnahmen definieren

Was wollen Sie mit Ihren Schulungsmassnahmen erreichen? 

Was wollen wir durch Trainings verbessern?

Definieren Sie die Ziele für Ihre Schulungen immer vom Business-Bedarf ausgehend. Also nicht einfach «wir schulen zum Thema X», sondern: Wir wollen Ergebnis Y erreichen und bauen dazu die Fähigkeit X auf. Fragen Sie sich dazu: 

  • Welche Kompetenzen sind wichtig für Ihr Unternehmen? Hierbei kann es sich um Fachwissen handeln aber auch um Soft Skills und praktische Fähigkeiten wie die Bedienung einer Maschine. 
  • Was soll sich im Unternehmen verbessern? Z. B. Servicequalität, Produktivität, Umsatz, Sicherheit…
  • Was läuft heute nicht wie gewünscht?
  • Ist die Ursache wirklich eine Kompetenzlücke und löst Training das Problem? Oder steckt etwas anderes, wie etwa ein Prozessbruch oder fehlende Tools dahinter?

Woran merken wir die Verbesserung?

Hinterlegen Sie jedes Ziel mit einer Ausgangsbasis (Ist-Wert) und einem Zielwert (Soll-Wert), um später Ihre Ziele sauber messen zu können. Formulieren Sie Ihre Ziele dann auf drei Ebenen: 

  • Ergebnisziel: Der messbare Nutzen im Geschäft. Beispiel: Reduktion der Supportanfragen um 3 Prozent.
  • Transferziel: Das verändern Mitarbeitende im Arbeitsalltag. Beispiel: Support-Mitarbeitende nutzen die Diagnose-Checkliste in 90% der Fälle. 
  • Kompetenzziel: Das können Teilnehmende nach der Schulungsmassnahme. Beispiel: Sie können die häufigsten Fehlerursachen anhand von Logdaten klassifizieren. 

Wie machen wir Ziele realistisch und verbindlich?

Formulieren Sie Ihre Ziele «SMART»! Damit schaffen Sie ein klares, gemeinsames Verständnis und können später sauber prüfen, ob die Schulungen wirken. 

Schritt 2: Ist-Stand der Kompetenzen analysieren

Um herauszufinden, wen Sie worin schulen müssen, starten Sie mit einem Soll-Bild: Welche Aufgaben müssen in der Rolle zuverlässig funktionieren und woran erkennt man das gut? Daraus bauen Sie sich ein Kompetenzprofil aus acht bis zwölf Fähigkeiten und beschreiben für jede Fähigkeit drei Niveaus. Das kann so aussehen:  Niveau 1 «Basis», Teilnehmende können Kompetenz mit Anleitung umsetzen. Niveau 2 «Sicher», Teilnehmende können sie selbstständig ausführen und Niveau 3 «Profi», sie können die Kompetenz optimieren und andere befähigen. 

Im nächsten Schritt erheben Sie den Ist-Zustand, um ein realistisches Bild zu erhalten. Dazu müssen Sie nicht alle Mitarbeitenden befragen. In der Regel reicht eine repräsentative Stichprobe, also etwa zehn bis zwanzig Prozent der Zielgruppe. Wichtig ist, dass die Auswahl typische Unterschiede abdeckt und dass sie mehrere Quellen analysieren: Die Selbsteinschätzung der Mitarbeitenden, die Beobachtung der Vorgesetzten und objektive Nachweise wie Qualitätsdaten.

Methoden und Instrumente zur Ist-Analyse

 

  • Fragebogen oder Umfrage
  • Kurze Interviews
  • Beobachtungen oder Job-Shadowing mit Checkliste
  • Arbeitsproben oder Fallaufgaben mit Bewertungsraster
  • Leistungsbeurteilungen
     

Schritt 3: Kompetenzlücken identifizieren und Lernbedarf priorisieren

Fassen Sie die Ergebnisse aus Schritt zwei in einer Kompetenzmatrix zusammen. Pro Kompetenz halten Sie drei Dinge fest: den Ist-Zustand, den Soll-Zustand und die Evidenz. Unter Evidenz verstehen wir die Quellen, die Ihre Einschätzung belegen – zum Beispiel Leistungsdaten, Qualitätskennzahlen oder Rückmeldungen von der Führung. Führen Sie diese möglichst konkret auf, damit die Matrix auch für Dritte nachvollziehbar bleibt.

Um die Kompetenzlücken nun zu priorisieren, nutzen Sie drei Blickwinkel: Wertbeitrag, Häufigkeit und Risiko. Der Wertbeitrag zeigt, welche Skills den Unternehmenserfolg am stärksten beeinflussen. Die Häufigkeit, wie oft die Kompetenz im Arbeitsalltag benötigt wird. Das Risiko macht besonders kritische Lücken sichtbar – etwa bei Sicherheit, Compliance oder gesetzlichen Vorgaben. Bewerten Sie jede Kompetenz je Kriterium mit 1 (tief) bis 3 (hoch). Aus der Gesamtbewertung leiten Sie Prioritätsklassen ab, zum Beispiel A = sofort, B = als nächstes, C = später. 

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Schritt 4: Aus dem Schulungsbedarf konkrete Massnahmen ableiten

Die Kompetenzmatrix zeigt, welche Lücken Priorität haben. Jetzt geht es darum, daraus konkrete Massnahmen abzuleiten: Wen betrifft diese Lücke tatsächlich? Ordnen Sie jede priorisierte Kompetenz den relevanten Rollen, Teams oder Standorten zu. Halten Sie dazu fest, wie stark die Abweichung zwischen Ist und Soll in den jeweiligen Zielgruppen ausfällt. Daraus leiten Sie den Umfang der Schulung ab: Reicht ein kurzer Refresh oder braucht es einen gezielten Aufbau? Benötigen Schlüsselrollen vertiefende Qualifizierungen? Dokumentieren Sie diese Zuordnung pro Kompetenz kurz und nachvollziehbar. 

Schritt 5: Schulungsmethoden wählen

Zum Glück ist Weiterbildung nicht mehr auf reine Präsenztrainings beschränkt. Statt Einheitslösung entscheiden Thema, Lernziele, Zielgruppe und die spezifischen Bedingungen Ihres Unternehmens, welches Format am besten passt:

  • Präsenzschulungen: Ideal für praktische Fähigkeiten, Übungen mit Material oder Situationen, in denen persönlicher Austausch entscheidend ist. Bei geografisch stark verteilten Teams eignet sich allenfalls ein hybrider Ansatz.
  • Webinar: Geeignet, wenn Teilnehmende an verschiedenen Standorten arbeiten und Sie Reisezeit vermeiden möchten. Ein Webinar passt besonders dann, wenn Interaktion wichtig ist, aber keine physischen Übungen oder Hilfsmittel nötig sind.
  • E-Learning: Passt für Grundlagen, Theorie, Regeln und Compliance. Mitarbeitende lernen im eigenen Tempo, Sie gewinnen Flexibilität und senken die Kosten pro Teilnehmenden. Auch digitale Kurse schliessen Teilnehmende mit einem Abschlusstest ab, als Nachweis für Ihren Lernerfolg. Ein Wiki oder eine Wissensdatenbank sorgt schliesslich dafür, dass Inhalte später schnell verfügbar sind.
  • Microlearning: Kurze Lerneinheiten, die sich leicht auch in einen hektischen Arbeitsalltag integrieren lassen. Zum Beispiel als 5-Minuten-Impulse, Wiederholungen oder «Performance Support» direkt am Arbeitsplatz. 
  • Blended Learning: Eine Kombination aus digitalen und Präsenzanteilen. Häufig funktioniert das so: theoretisches Grundwissen per E Learning, danach Praxisübungen und Austausch im Präsenztraining oder live online, plus kurze Wiederholungen zur Festigung.
     

Schritt 6: Rollout planen

Statt alles auf einmal auszurollen, lohnt sich ein Vorgehen in Wellen: Testen Sie die Massnahmen zuerst in einer Pilotwelle (Welle 0) mit kleinen, repräsentativen Gruppen und prüfen Sie Inhalt, Dauer, Übungen, Organisation und typische Hürden. In Welle 1 folgen die im Schritt 3 hochpriorisierten Zielgruppen, danach der breite Rollout und eine letzte Welle deckt noch Neueintritte und Auffrischungen ab.

Definieren Sie pro Welle Gruppengrössen, Trainerkapazitäten, benötigte Materialien und klare Verantwortlichkeiten. Spätestens bei mehreren Zielgruppen und wiederkehrenden Trainings zahlt sich ein LMS (Lernmanagementsystem) aus: Sie weisen Trainings zentral zu, automatisieren Erinnerungen und dokumentieren Teilnahmen sowie Leistungsnachweise. Gleichzeitig erhalten Sie Kennzahlen für die Erfolgsmessung.

Schritt 7: Erfolg messen und anpassen

Damit Ihre Schulungsmassnahmen nicht ins Leere laufen, ist es wichtig, den Erfolg regelmässig zu messen und allenfalls Inhalte, Formate oder sonstige Massnahmen anzupassen. Behalten Sie dabei auch neue Entwicklungen und Gesetze im Blick, die sich auf Ihre Schulungen auswirken. 

Idealerweise messen Sie auf drei Ebenen: 

  • Unmittelbar nach der Schulung: Prüfen Sie den Lernerfolg mit einem Wissenstest.
  • Nach einigen Wochen: Prüfen Sie, ob die Teilnehmenden das Gelernte im Arbeitsalltag anwenden. Das gelingt zum Beispiel über Rückmeldungen der Vorgesetzten, Stichproben oder einfache Qualitätschecks.
  • Nach drei bis zwölf Monaten: Analysieren Sie die im Schritt 1 definierten Kennzahlen und machen Sie einen Vorher-Nachher-Vergleich. 
     

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