Das Konzept der Lerntypen besagt, dass wir Menschen je nach Anlagen und Fähigkeiten unterschiedliche Lernpräferenzen haben. So lernen etwa die einen durch Zuhören besser, andere mit Bildern und wieder andere benötigen dazu praktische Erfahrung. Lange galt deshalb die Annahme, Trainer:innen müssten diese Präferenzen aufgreifen und Lerninhalte entsprechend aufbereiten, um den Lernerfolg zu verbessern.
Die individuelle Anpassung der Lerninhalte an jeden Lerntyp kostet jedoch unverhältnismässig viel Zeit und Aufwand – und nützt doch nichts. Denn die neuere Forschung ist sich sicher: Zwischen dem sogenannten Lerntyp und den Fähigkeiten, Aufgaben zu bearbeiten, besteht kein Zusammenhang. Dafür sprechen unter anderem drei Punkte:
- Lernpräferenzen sind keine festen Eigenschaften. Sie verändern sich – abhängig von der Person, dem Lerngegenstand und der jeweiligen Lernsituation. Diese individuellen Lernvoraussetzungen ignoriert die Lerntypen-Theorie vollständig.
- Informationsaufnahme ist nicht gleich Lernen. Etwas auswendig zu wissen, bedeutet nicht, es auch wirklich zu verstehen. Dazu müssen wir Informationen durchdenken, interpretieren und mit bestehendem Wissen verknüpfen. Dabei haben die kognitiven Fähigkeiten einer Person einen weitaus grösseren Einfluss auf die Verarbeitung einer Information als der Wahrnehmungssinn, über den sie diese aufnimmt.
- Starre Etiketten schränken ein. Wer sich auf einen bestimmten Lerntyp festlegt, schliesst andere Lernmethoden von vornherein aus – und verpasst womöglich wertvolle Lerngelegenheiten.

