Lerntypen im e-Learning: Lerninhalte für unterschiedliche Lernweisen gestalten

Autor

Sara Hepp

Datum

09. September 2026

Das Wichtigste gleich vorweg: Feste Lerntypen gibt es nicht. Menschen lernen individuell verschieden und bringen eigene Fähigkeiten, Voraussetzungen und Präferenzen mit. Für Autor:innen von e-Learnings bedeutet das, Lerninhalte brauchen mehrere passende Zugänge. In diesem Beitrag erfährst du, warum die Lerntypen-Theorie zu kurz greift  und wie multisensorisches Lernen das Verstehen und Erinnern stattdessen unterstützt. Das kostenlose Whitepaper «So sprichst du beim Lernen alle Sinne an» liefert dir anschliessend konkrete Gestaltungsideen für deine e-Learnings.

Der Mythos Lerntypen

Das Konzept der Lerntypen besagt, dass wir Menschen je nach Anlagen und Fähigkeiten unterschiedliche Lernpräferenzen haben. So lernen etwa die einen durch Zuhören besser, andere mit Bildern und wieder andere benötigen dazu praktische Erfahrung. Lange galt deshalb die Annahme, Trainer:innen müssten diese Präferenzen aufgreifen und Lerninhalte entsprechend aufbereiten, um den Lernerfolg zu verbessern.

Die individuelle Anpassung der Lerninhalte an jeden Lerntyp kostet jedoch unverhältnismässig viel Zeit und Aufwand – und nützt doch nichts. Denn die neuere Forschung ist sich sicher: Zwischen dem sogenannten Lerntyp und den Fähigkeiten, Aufgaben zu bearbeiten, besteht kein Zusammenhang. Dafür sprechen unter anderem drei Punkte:

  • Lernpräferenzen sind keine festen Eigenschaften. Sie verändern sich – abhängig von der Person, dem Lerngegenstand und der jeweiligen Lernsituation. Diese individuellen Lernvoraussetzungen ignoriert die Lerntypen-Theorie vollständig.
  • Informationsaufnahme ist nicht gleich Lernen. Etwas auswendig zu wissen, bedeutet nicht, es auch wirklich zu verstehen. Dazu müssen wir Informationen durchdenken, interpretieren und mit bestehendem Wissen verknüpfen. Dabei haben die kognitiven Fähigkeiten einer Person einen weitaus grösseren Einfluss auf die Verarbeitung einer Information als der Wahrnehmungssinn, über den sie diese aufnimmt.
  • Starre Etiketten schränken ein. Wer sich auf einen bestimmten Lerntyp festlegt, schliesst andere Lernmethoden von vornherein aus – und verpasst womöglich wertvolle Lerngelegenheiten.

Multisensorisches Lernen: Ein besserer Ansatz für die e-Learning-Gestaltung

Multisensorisches Lernen verbindet mehrere Sinneskanäle innerhalb eines Lernprozesses, statt sich auf nur eine Lernweise zu beschränken. Beim Vokabellernen etwa hören Lernende ein Wort und sehen gleichzeitig ein passendes Bild. Diese Verbindung unterstützt die Verarbeitung der Informationen und erleichtert den späteren Abruf: Gelerntes bleibt länger im Gedächtnis. Die Lernforschung bezeichnet diesen Effekt als duale Codierung.

Der Erfolg des multisensorischen Lernens lebt entsprechend von einer gezielten Medienauswahl: Jede Darstellung erfüllt eine Funktion und steht in direktem Bezug zum Lernziel. Ein Diagramm macht komplexe Abläufe sichtbar, ein Hörbeispiel unterstützt die Aussprache und eine praktische Aufgabe überträgt Wissen in die Handlung. So eröffnest du mehrere Wege zum Verstehen und der Transfer in die Praxis gelingt besser. Konkrete Beispiele, um das in deinen e-Learnings umzusetzen, findest du in unserem kostenlosen Whitepaper. 

Sechs Lernweisen für abwechslungsreiche e-Learnings

Du möchtest deine digitalen Lerninhalte abwechslungsreich gestalten, um alle Sinne anzusprechen? Die folgenden sechs Lernweisen dienen dir als kurze Orientierung: 

  1. Visuelle Lernweise: Beim visuellen Lernen erschliessen sich Informationen über Bilder, Formen und räumliche Zusammenhänge. Etwa durch Diagramme und ähnliche Darstellungen, die Inhalte sichtbar und übersichtlich machen.
  2. Auditive Lernweise: Hier nehmen Lernende Informationen über das Zuhören und Sprechen auf. Stimmen, Klänge und mündliche Erklärungen unterstützen den Zugang zu einem Thema.
  3. Haptische und handlungsorientierte Lernweise: Hier steht das praktische Tun im Mittelpunkt. Lernende erfassen Zusammenhänge über eigene Erfahrungen  und wenden Wissen direkt an.
  4. Kommunikative Lernweise: Lernende vertiefen Inhalte im Austausch mit anderen. Gespräche, Diskussionen und das gemeinsame Reflektieren unterstützen diesen Lernprozess.
  5. Analytische Lernweise: Hier geht es um gut strukturierte Informationen und Zusammenhänge im Detail. Denn eine nachvollziehbare Ordnung erleichtert die Auseinandersetzung mit einem Thema.
  6. Problemlösende Lernweise: Bei der problemlösenden Lernweise setzen sich Lernende eigenständig mit einer Herausforderung auseinander. Sie entwickeln Lösungswege und erschliessen sich Wissen, indem sie Zusammenhänge prüfen und Entscheidungen treffen.
     

So gestaltest du e-Learnings für verschiedene Lernweisen

Richte die Auswahl von Medien und Methoden am Lernziel aus. Geht es beispielsweise darum, einen Prozess selbstständig anzuwenden, eignen sich realitätsnahe Szenarien mit Entscheidungsmöglichkeiten. Sollen Lernende Zusammenhänge einordnen, helfen strukturierte Übersichten oder Vergleichsaufgaben. Geht es um die Reflexion des eigenen Verhaltens, regen Fallbeispiele und offene Fragen zum Nachdenken an. 

Wie du die sechs Lernweisen in der Praxis konkret aufgreifst, zeigt das kostenlose Whitepaper «So sprichst du beim Lernen alle Sinne an»: mit gezielten Gestaltungsideen und Methoden für jede Lernweise, direkt umsetzbar für dein nächstes e-Learning.

Whitepaper herunterladen: «So sprichst du beim Lernen alle Sinne an»:

Wir behandeln Ihre Daten vertraulich, bitte beachten Sie unsere Datenschutzerklärung.

FAQ: Häufige Fragen zu Lerntypen im e-Learning

Was sind Lerntypen im e-Learning?

Lerntypen beschreiben unterschiedliche Zugänge, über die Lernende Inhalte bevorzugt erschliessen. Die sechs Lernweisen in diesem Beitrag bündeln solche Zugänge als praktische Gestaltungsperspektiven für die Content-Erstellung. In der Forschung gelten feste Lerntypen als nicht belegt.

Wie berücksichtigt man Lerntypen im e-Learning?

Du berücksichtigst unterschiedliche Lernpräferenzen, indem du Lerninhalte abwechslungsreich und am Lernziel orientiert gestaltest. Ergänze Erklärungen durch passende Visualisierungen, Austausch oder praktische Aufgaben. So entsteht ein Lernangebot mit mehreren Zugängen.
 

Welche Lerntypen gibt es?

Feste Lerntypen lassen sich wissenschaftlich nicht belegen. Für die Gestaltung von e-Learnings eignen sich sechs Lernweisen als Orientierung: die visuelle, auditive, haptische beziehungsweise handlungsorientierte, kommunikative, analytische und problemlösende Lernweise.

Wie erstelle ich Lerninhalte für unterschiedliche Lernpräferenzen?

Beginne mit dem Lernziel und analysiere danach die Zielgruppe. Wähle Gestaltungselemente, die den Inhalt verständlich machen und den Transfer unterstützen. Kombiniere geeignete e-Learning-Methoden und überprüfe den Lernerfolg mit einer passenden Lernkontrolle.