So findest du das passende Lernformat für deine Schulung

Autor

Stefan Bucher

Datum

27. October 2026

Du planst eine neue Schulung und fragst dich, welches Lernformat dafür geeignet ist? Ob Video, e-Learning, Präsenzschulung oder ein gut aufgebauter Text: Entscheidend sind dein Lernziel und deine Zielgruppe. In sechs Schritten erfährst du, welche Lösung zu Inhalt, Arbeitsalltag und den verfügbaren Ressourcen passt.

Schritt 1: Kläre, was Mitarbeitende nach der Schulung können sollen

Das Lernziel gibt das Format vor. Entscheidend ist, was Mitarbeitende später mit dem Wissen tun sollen: 

  • Wer Informationen verstehen und bei Bedarf nachschlagen muss, braucht eine klare, durchsuchbare Darstellung, etwa als Text, PDF oder e-Learning.
  • Geht es darum, Situationen richtig einzuschätzen und angemessen zu handeln, helfen realistische Szenarien mit direktem Feedback.
  • Steht eine praktische Tätigkeit im Zentrum, zum Beispiel das Bedienen einer Maschine oder eine Reanimation, muss der Ablauf sichtbar werden. Dafür eignet sich neben dem klassischen Präsenzunterricht oft auch ein Video.

Schritt 2: Berücksichtige Vorwissen und tatsächlichen Lernbedarf

Nicht alle Mitarbeitenden beginnen am gleichen Punkt. Neue Mitarbeitende brauchen die Grundlagen und die wesentlichen Abläufe, um in ihrer neuen Rolle erfolgreich zu sein. Gezielte Auffrischungen oder Vertiefungen bringen erfahrenen Mitarbeitenden mehr Nutzen. Fehlt dieser Abgleich, wird die Schulung für einen Teil der Zielgruppe zu oberflächlich und für den anderen unnötig detailliert.

Je besser du den Lernbedarf kennst, desto genauer kannst du Umfang, Tiefe und Schwierigkeitsgrad des Lernangebots festlegen. Überlege dir folgende Frage:

  • Was weiss die Zielgruppe bereits?
  • Welche Erfahrungen bringt sie aus dem Arbeitsalltag mit?
  • Wo treten immer wieder Unsicherheiten oder Fehler auf?

Mit einer Kompetenzanalyse erfasst du den tatsächlichen Schulungsbedarf systematisch. In unserem Beitrag «Schulungsbedarf im Unternehmen ermitteln: Schritt-für-Schritt-Anleitung mit Vorlage» zeigen wir dir, wie du dabei vorgehst und wie du eine Kompetenzmatrix dafür nutzt.
 

Schritt 3: Denke den Lernkontext von Anfang an mit

Ein Lernformat passt nur, wenn es sich in den Arbeitsalltag einfügt. Während viele Mitarbeitende an einem Computer arbeiten, sind andere im Aussendienst unterwegs, stehen in der Produktion oder arbeiten im Schichtbetrieb. Für sie ist das Smartphone oft der einzige Zugang zum Lernangebot, und Lernzeit entsteht eher zwischen zwei Einsätzen als in einem fest geplanten Zeitfenster.

Geräte, Lernort und verfügbare Zeit beeinflussen deshalb die Gestaltung des Lernangebots massgeblich: Wer hauptsächlich über das Smartphone lernt, braucht kompakte, klar strukturierte Inhalte, die auch auf dem kleinen Bildschirm funktionieren. Und wer nur zwischen zwei Einsätzen Zeit findet, kommt mit kurzen, abgeschlossenen Einheiten weiter als mit einem umfangreichen Lernmodul.

Diese Punkte solltest du prüfen:

  • Geräte und Lernort: Haben alle Mitarbeitenden ein geeignetes Gerät und ein Login, auch ohne eigene geschäftliche E-Mail-Adresse?
  • Zeit: Sind längere Lernphasen realistisch oder braucht es Einheiten, die sich in den Arbeitsalltag integrieren lassen?
  • Arbeitsbedingungen: Lernen Mitarbeitende allein, im Team oder direkt an einer Maschine? Die Umgebung prägt auch die passende Lernaktivität.
  • Technische Umsetzung: Lassen sich die Lerninhalte auf Smartphones, Tablets und Computern gut darstellen und bedienen? Ein passendes Autorentool kann die geräteübergreifende Gestaltung erleichtern.
     

Schritt 4: Plane Sprache und Barrierefreiheit mit ein

Ein Lernangebot wirkt nur, wenn es alle Mitarbeitenden erreicht, unabhängig von Sprache oder Beeinträchtigung. Kläre deshalb früh, welche Sprachen die Zielgruppe braucht und ob einfache, klare Formulierungen den Zugang erleichtern. Denkst du diese Anforderungen von Beginn an mit, wählst du ein passendes Format und vermeidest aufwendige Anpassungen. 
Prüfe, welche Sprachen die Zielgruppe braucht und ob Fachbegriffe zusätzliche Erklärungen erfordern. Vermittle wichtige Informationen über mehrere Wege, beispielsweise durch die Kombination von Text, Bild und Ton. Videos brauchen Untertitel und ein Transkript. Bei digitalen Lernangeboten gehören ausreichende Kontraste, verständliche Strukturen und eine Bedienung per Tastatur dazu. Mehr Informationen findest du im Blog «Barrierefreie e-Learnings».

Schritt 5: Wähle das Lernformat, das die gewünschte Lernaktivität unterstützt

Das beste Lernformat ist oft eine Kombination. Ein e-Learning verbindet zum Beispiel Texte, Videos und interaktive Übungen in einem Kurs. Auch Präsenzschulungen gewinnen, wenn digitale Einheiten die Teilnehmenden vorab auf den gleichen Stand bringen und kurze Auffrischungen das Gelernte danach festigen.

Entscheidend ist das Zusammenspiel. Jedes Format oder Gestaltungselement übernimmt die Aufgabe, für die es sich am besten eignet, und gemeinsam unterstützen sie das Lernziel. Die folgende Übersicht zeigt dir die Stärken der einzelnen Formate und worauf du bei ihrem Einsatz achtest.

e-Learning

Eignet sich für Mitarbeitende, die zeitlich und örtlich flexibel lernen. Das Format unterstützt besonders das schrittweise Verstehen von Grundlagen, die Überprüfung von Wissen und das Einschätzen typischer Situationen. Die Lernenden bearbeiten die Inhalte selbstständig und im eigenen Tempo.

Beispiele: 

  • Ein Einführungskurs vermittelt neuen Mitarbeitenden die wichtigsten Unternehmensprozesse.
  • Ein Datenschutzkurs verbindet kurze Erklärungen mit Fragen zu typischen Situationen im Arbeitsalltag.

Achte darauf: Die Wirkung eines e-Learnings hängt von der Qualität der Interaktionen ab, weniger von ihrer Anzahl. Entscheidend ist, dass jede Interaktion ein klares Lernziel unterstützt. 

 

Video

Eignet sich für die Veranschaulichung von Abläufen, Handgriffen oder der Bedienung einer Software. Videos zeigen direkt, wie eine Tätigkeit ausgeführt wird, und helfen dabei, auch komplexere Abläufe verständlich zu erklären. Ein Video oder Screenrecording benötigt mehr Planung und Aufwand als ein Text, beim Erstellen ebenso wie bei späteren Aktualisierungen.

Beispiele: 

  • Ein Erklärvideo zeigt die wichtigsten Schritte bei der Bedienung einer Maschine.
  • Ein Screenrecording führt durch einen Prozess in einer Software.

Achte darauf: Ergänze Untertitel und ein Transkript. Prüfe früh, wie häufig sich der Inhalt verändert und ob weitere Sprachversionen geplant sind. Weitere Tipps findest du im Beitrag zu Talking-Head-Videos im e-Learning.

 

Microlearning

Eignet sich für kurze, fokussierte Lerneinheiten, mit denen Mitarbeitende Wissen aufbauen oder auffrischen. Das ist besonders praktisch für Mitarbeitende im Aussendienst oder mit wenig Zeit für längere Schulungen.

Beispiele: 

  • Eine dreiminütige Lerneinheit frischt eine wichtige Sicherheitsregel auf.
  • Eine kurze Lernkarte erklärt eine neue Produkteigenschaft.

Achte darauf: Kurz bedeutet nicht oberflächlich. Konzentriere dich pro Einheit auf ein klares Lernziel und teile komplexere Themen in sinnvoll aufeinander aufbauende Lerneinheiten auf. Mehr dazu erfährst du im Experteninterview zu Microlearning.

 

Präsenzschulung

Eignet sich für Lernziele, bei denen Mitarbeitende Situationen gemeinsam einschätzen oder direktes Feedback erhalten sollen. Der persönliche Austausch hilft dabei, Fragen zu klären und Erfahrungen zu teilen.

Beispiele: 

  • Führungskräfte trainieren schwierige Gesprächssituationen in Rollenspielen.
  • Ein Team bespricht konkrete Kundenfälle und entwickelt passende Lösungen.

Achte darauf: Präsenzschulungen brauchen gemeinsame Zeit und Räumlichkeiten, was den organisatorischen Aufwand erhöht. Digitale Formate vermitteln Grundlagen vorab oder frischen Inhalte später auf.

 

Text oder PDF

Eignet sich für Informationen, die Mitarbeitende verstehen und später gezielt nachschlagen müssen. Texte und PDFs sind besonders hilfreich für Abläufe, Richtlinien, Checklisten oder kompakte Grundlagen. Gut strukturierte Texte lassen sich durchsuchen, einfach aktualisieren und meist auch unkompliziert übersetzen.

Beispiele: 

  • Eine Checkliste führt durch die Schritte einer Qualitätskontrolle.
  • Ein übersichtliches Merkblatt fasst die wichtigsten Sicherheitsregeln zusammen.

Achte darauf: Lange Textblöcke erschweren die Orientierung. Klare Zwischenüberschriften, verständliche Sprache und eine gute Gliederung führen Lesende schnell zur relevanten Information.

 

Interaktive Übungen und Quiz

Eignet sich für die Überprüfung von Wissen. Szenarien und Entscheidungsfragen gehen einen Schritt weiter: Sie bilden typische Situationen aus dem Arbeitsalltag ab und unterstützen so den Transfer in die Praxis. Das Feedback ist entscheidend: Es zeigt Lernenden, warum eine Antwort richtig oder falsch ist.

Beispiele: 

  • Eine Quizfrage überprüft, ob Mitarbeitende eine Sicherheitsregel verstanden haben.
  • Ein Entscheidungsszenario lässt Mitarbeitende auf eine Kundenreklamation reagieren.

Achte darauf: Jede Übung braucht einen Bezug zum Lernziel. Eine Quizfrage nur zur Abwechslung bringt wenig zusätzlichen Lernwert.

 

Webinar

Eignet sich, um neue Inhalte gemeinsam zu verstehen, Fragen zu klären oder unterschiedliche Einschätzungen zu diskutieren. Mitarbeitende können unabhängig von ihrem Standort teilnehmen. Webinare verbinden die Flexibilität eines digitalen Formats mit direktem Austausch.

Beispiele:

  • Eine Fachperson stellt eine neue interne Richtlinie vor und beantwortet Fragen.
  • Eine Live-Demonstration zeigt neue Funktionen einer Software.

Achte darauf: Plane gezielte Möglichkeiten zur Beteiligung ein, etwa Fragen, kurze Umfragen oder gemeinsame Fallbesprechungen. Stelle wichtige Unterlagen anschliessend zur Verfügung, damit die Teilnehmenden Inhalte nachschlagen können.

 

Audio und Podcast

Eignen sich um Zusammenhänge verständlich zu erklären oder Erfahrungen weiterzugeben. Mitarbeitende können die Inhalte beispielsweise unterwegs oder während einer passenden Arbeitspause anhören.

Beispiele:

  • Ein kurzes Interview vermittelt Erfahrungen aus einem Kundenprojekt.
  • Eine Podcastfolge erklärt die Hintergründe einer neuen Unternehmensstrategie.

Achte darauf: Strukturiere die Inhalte klar und konzentriere dich auf wenige Kernbotschaften. Ergänze ein Transkript, damit die Informationen auch lesbar und durchsuchbar sind.

 

Infografiken und Bilder

Eignen sich für die anschauliche Darstellung von Informationen, Zusammenhängen und Prozessschritten. Sie helfen Mitarbeitenden, wichtige Inhalte auf einen Blick zu verstehen und später schnell wiederzufinden.

Beispiele:

  • Ein Ablaufdiagramm zeigt die einzelnen Schritte eines Freigabeprozesses.
  • Eine Infografik erklärt die wichtigsten Regeln zur Datensicherheit.

Achte darauf: Konzentriere dich auf die wesentlichen Informationen und verwende eindeutige Symbole und Beschriftungen. Ergänze bei digitalen Lernangeboten aussagekräftige Alternativtexte und achte auf ausreichende Kontraste.

 

Gamification

Eignet sich für Lernangebote, bei denen spielerische Elemente Mitarbeitende zum aktiven Mitmachen motivieren sollen. Besonders sinnvoll ist Gamification, wenn Wissen wiederholt oder Entscheidungen geübt werden.

Beispiele:

  • Ein Punktequiz motiviert Mitarbeitende, ihr Wissen zu einem Thema zu überprüfen.
  • Eine Lernmission führt durch mehrere Entscheidungssituationen aus dem Arbeitsalltag.

Achte darauf: Setze spielerische Elemente gezielt ein, um die gewünschte Lernaktivität zu fördern. Achte darauf, dass Punkte, Belohnungen oder Wettbewerbe einen echten Beitrag zum Lernen leisten und alle Mitarbeitenden gut mitmachen können.

Schritt 6: Prüfe, was sich realistisch umsetzen lässt

Nach den ersten fünf Schritten stehen meist mehrere Formate zur Auswahl. Jetzt entscheidet die Umsetzbarkeit: Was lässt sich mit den vorhandenen Ressourcen erstellen und langfristig aktuell halten? Ein professionelles Video lohnt sich nur, wenn Zeit und Know-how für Aufnahme und Schnitt vorhanden sind. Bei mehreren hundert Mitarbeitenden an verschiedenen Standorten stösst eine Präsenzschulung schnell an organisatorische Grenzen. Denke dabei über die Erstellung hinaus. Inhalte verändern sich, neue Sprachversionen kommen dazu und jede Anpassung kostet Zeit. Einen Text aktualisierst du in wenigen Minuten, ein Video drehst du im Zweifel neu. 

Diese Fragen helfen dir, personelle, technische und organisatorische Rahmenbedingungen einzuschätzen:

  • Personal: Welche Kompetenzen sind intern vorhanden und wo lohnt sich Unterstützung durch externe Dienstleister?
  • Zeit und Budget: Wie viel steht für die Erstellung und die spätere Pflege zur Verfügung?
  • Technik: Welche Formate und Funktionen unterstützen eure Systeme und Tools?
  • Organisation: Lassen sich Präsenzschulungen für alle Standorte organisieren?
  • Aktualität: Wie häufig ändern sich die Inhalte und welche Sprachversionen braucht es?

Gerade bei selbst erstellten e-Learnings kann ein passendes Autorentool viel Aufwand sparen. Mit einem Tool wie easylearn share lassen sich digitale Lerninhalte intern erstellen und bearbeiten. So können Unternehmen ihr vorhandenes Fachwissen selbst in Lernangebote verwandeln und diese bei Bedarf aktualisieren.

Du bist unsicher, ob ein Format passt? Teste es zuerst mit einer kleinen Gruppe. Ein kurzer Pilot zeigt schneller als jede Planung, wo Lernende hängen bleiben.

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