Die Voraussetzungen sind klar. Jetzt geht es darum, sie im Alltag umzusetzen. Die folgenden Massnahmen zeigen dir konkrete Ansatzpunkte, um eine positive Lernkultur im Unternehmen zu etablieren.
1 Gemeinsame Ziele und Vision
Am Anfang steht die Frage, warum Lernen im Unternehmen wichtig ist. Mitarbeitende engagieren sich eher für ihre Entwicklung, wenn sie den Zusammenhang zwischen ihren Lernzielen und den Zielen des Unternehmens verstehen. Kläre deshalb gemeinsam mit ihnen, welche Kompetenzen künftig gefragt sind und welchen Beitrag Lernen zur täglichen Arbeit leistet. Beziehe Mitarbeitende in die Entwicklung der Lernziele ein. So erfährst du, wo sie konkreten Entwicklungsbedarf sehen und welche Themen sie beschäftigen. Gleichzeitig entsteht ein gemeinsames Verständnis dafür, weshalb Lernen nicht neben dem Tagesgeschäft stattfindet, sondern zu den Aufgaben im Unternehmen gehört.
2 Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten an reale Arbeitsbedingungen anpassen
Eine Lernkultur braucht ein Lernangebot, das Mitarbeitende kennen und auf das sie hürdenlos zugreifen können. Prüfe deshalb, ob die vorhandenen Lernformate zu den Arbeitsbedingungen und Rollen in deinem Unternehmen passen. Wer keinen festen PC-Arbeitsplatz hat, braucht beispielsweise mobilen Zugang zu digitalen Lernangeboten. Auch die Arbeitszeit spielt eine zentrale Rolle: Wer zwischen Sitzungen oder nach einem langen Arbeitstag lernen soll, empfindet Weiterbildung schnell als zusätzliche Belastung statt als Chance.
Plane feste Lernzeiten ein und entlaste Mitarbeitende bei Bedarf während anspruchsvoller Weiterbildungen. Anerkennung für ihr Engagement wirkt dabei ebenfalls als Anreiz und zeigt, dass Entwicklung im Unternehmen tatsächlich zählt. So entsteht Raum für selbstbestimmtes Lernen: Mitarbeitende wählen aus passenden Angeboten und integrieren ihr Lernen in den Arbeitsalltag. Den grössten Unterschied macht am Ende der Praxisbezug: Wer Gelerntes direkt umsetzt, lernt lieber, lernt effektiver und die nun sichtbaren Lernerfolge motivieren.
3 Bedürfnisse der Mitarbeitenden berücksichtigen
Entwicklungsmassnahmen dürfen sich nicht allein am Bedarf des Unternehmens orientieren. Sie müssen auch zu den Aufgaben, Voraussetzungen und Zielen der Mitarbeitenden passen. Selbst innerhalb eines Teams unterscheiden sich Vorkenntnisse, Lerntempo und berufliche Perspektiven. Berücksichtige entsprechend die Rolle und den aktuellen Entwicklungsstand der einzelnen Person. Beziehe auch individuelle Lern- und Karriereziele ein. Eine Lernplattform unterstützt dich dabei, Lernangebote gezielt zusammenzustellen und individuelle Lernpfade einzurichten. So erhalten Mitarbeitende genau die Orientierung, die sie für ihre Entwicklung benötigen.
So erstellst du Lernpfade für deine Personalentwicklung– inklusive Vorlage.
4 Führungskräfte als Vorbilder gewinnen
Führungskräfte prägen die Lernkultur durch ihr tägliches Verhalten. Sie begleiten die Entwicklung ihrer Mitarbeitenden, erkennen Potenziale und vereinbaren gemeinsam mit ihnen passende Ziele. Diese Verantwortung lässt sich nicht vollständig an HR oder die Personalentwicklung delegieren. Glaubwürdig wird die Rolle der Führung, wenn sie eigene Lernprozesse sichtbar macht: Indem sie über neue Erkenntnisse sprechen, nachfragen, wenn ihnen Wissen fehlt, und Offenheit für Feedback zeigen. Damit vermitteln sie eine wichtige Haltung: Es geht nicht darum, immer alles zu wissen, sondern um die Bereitschaft, sich weiterzuentwickeln.
Wie du das als Führungskraft konkret umsetzt, zeigt dir unser e-Learning «Lernen fördern: Eine Lernkultur im Team etablieren» mit praktischen Beispielen und Übungen.
5 Eine konstruktive Fehlerkultur etablieren
Eine gute Lernkultur braucht einen Umgang mit Fehlern, der Lernen ermöglicht. Statt zu Schuldzuweisungen sollten Fehler zu der Frage führen, was das Unternehmen daraus ableitet und wie es ähnliche Situationen künftig verhindert. Denn auch Fehler und tägliche Herausforderungen haben eine wichtige Funktion: Sie machen sichtbar, wo Prozesse, Wissen oder die Zusammenarbeit noch Schwachstellen aufweisen und geben damit Impulse für die weitere Entwicklung.
Führungskräfte gehen auch hier mit gutem Beispiel voran. Indem sie eigene Fehler offen ansprechen und gemeinsam mit ihrem Team nach Verbesserungen suchen, entsteht psychologische Sicherheit. Mitarbeitende trauen sich dann eher, über Unsicherheiten zu sprechen und neue Ansätze auszuprobieren. Das fördert zudem die Innovationsfähigkeit des Unternehmens und stärkt die Mitarbeiterbindung.
6 Zusammenarbeit und Erfahrungsaustausch fördern
Lernen findet nicht nur in e-Learnings oder Schulungen statt. Ein grosser Teil des Lernens geschieht im Arbeitsalltag, wenn Mitarbeitende konkrete Aufgaben gemeinsam bearbeiten und Erfahrungen austauschen oder sich bei den Arbeitskolleg:innen Kniffe und Methoden abschauen. Zusammenarbeit macht den eigenen Beitrag sichtbar und eröffnet zugleich den Zugang zum Wissen anderer.
Schaffe Gelegenheiten für einen solchen Austausch – auch über Team- oder Bereichsgrenzen hinweg: Treffen unterschiedliche Aufgaben und Perspektiven aufeinander, entstehen neue Ansichten und ein besseres Verständnis für Zusammenhänge. Zugleich brichst du Wissenssilos auf und stärkst die Zusammenarbeit im Unternehmen.
7 Digitale Lernlösungen nutzen
Digitale Werkzeuge schaffen die Infrastruktur, die eine Lernkultur im Alltag unterstützt. Sie ersetzen weder Lernmotivation noch gute Führung. Aber sie erleichtern den Zugang zu Lernangeboten, halten Wissen verfügbar und reduzieren den administrativen Aufwand für das HR. Achte bei der Auswahl der Tools darauf, dass sie zu den Lernzielen und Arbeitsbedingungen im Unternehmen passen.
- Learning Management System: Ein LMS bündelt Lernangebote und dokumentiert Lernaktivitäten zentral. Verantwortliche behalten den Überblick über Lernstände und fassen bei Pflichtschulungen gezielt nach. Rollenbezogene Lernangebote und individuelle Lernpfade erleichtern es Mitarbeitenden, die für sie relevanten Inhalte zu finden.
- e-Learning: Digitale Lerninhalte machen Lernen flexibel. Deine Mitarbeitenden bearbeiten sie dann, wenn es in ihren Arbeitsalltag passt. Auch die Aktualisierung gelingt schnell: Neue Inhalte stehen sofort allen zur Verfügung, ohne aufwendige Verteilung. Je nach Thema greifst du auf vorgefertigte Kurse zurück, erstellst eigene e-Learnings mit einem Autorentool oder du beauftragst Fachpersonen mit der Entwicklung. Achte darauf, dass deine Lerninhalte auch übers Smartphone zugänglich sind.
- Veranstaltungsmanagement: Präsenzveranstaltungen ergänzen digitale Lerninhalte, wenn persönliche Übungen, Austausch oder praktische Demonstrationen erforderlich sind. Ein Veranstaltungsmanagement unterstützt dich bei der Planung und Durchführung und verbindet Präsenztermine mit den übrigen Lernaktivitäten. So wird aus einzelnen Formaten ein durchgängiger Lernprozess.
- Wissensdatenbank: Ein gut strukturiertes Wiki hält relevantes Unternehmenswissen fest und stellt es dort bereit, wo Mitarbeitende es benötigen. Denn im Arbeitsalltag geht es nicht darum, jede Information auswendig zu kennen. Entscheidend ist vielmehr, dass Mitarbeitende die passende Information schnell finden und anwenden. Hier findest du einen Leitfaden zum Aufbau eines Unternehmenswikis, mit Praxisbeispielen unserer Kundschaft und einer Checkliste.
- Schnittstellen: Verbinde die Lernumgebung mit euren bestehenden HR- und Unternehmenssystemen. Das hält Benutzerdaten und Rollen aktuell, erleichtert die automatische Zuweisung von Lernangeboten und Lernnachweise landen direkt im Personaldossier. Das reduziert administrative Arbeit und verhindert, dass technische Abläufe den Zugang zum Lernen erschweren. Mehr zum Thema Schnittstellen und was damit alles möglich ist, erfährst du hier.